Kölner Szene · Report
WAREHOUSE: Wo der Kölner Techno laufen lernte
Bickendorf, eine Halle an der Wilhelm-Mauser-Straße, Anfang der Neunziger. Aus drei Jahren Betrieb wurde eine der wichtigsten Adressen des deutschen Techno. Heute existiert das WAREHOUSE als Mythos, als Marke und neuerdings wieder als Party am Ursprungsort.
Foto: SCHLUESSELKINDER KOLLEKTIVWas das WAREHOUSE war
Das WAREHOUSE ist kein Club im heutigen Sinn mehr. Es ist eine Halle in Köln-Bickendorf, eine Geschichte, eine Marke und seit kurzem wieder eine Veranstaltungsreihe. Angefangen hat alles 1990 an der Wilhelm-Mauser-Straße 21-25, in der Szene nur WMS genannt. Gegründet von Yener Kisla, offizielles Gründungsjahr 1991, als das Logo entstand. Der Sound: Acid, Techno, House. Keine Genre-Politik, sondern das, was damals neu war und alle zusammenzog.
Der Laden war von Anfang an näher an der Rave-Idee als am Discobetrieb. Lange Sessions, ein Publikum, das wegen der Musik kam, nicht wegen der Tür. Das WMS gilt rückblickend als Keimzelle der Techno-Bewegung im Rheinland und als Sprungbrett dafür, dass die Rave-Kultur sich in Deutschland ausbreitete. Für eine Stadt, die später mit Kompakt und dem Sound of Cologne ein eigenes Kapitel schreiben sollte, war das hier ein früher, roher Anfang.
Drei Adressen, eine Linie
Die Geschichte des WAREHOUSE lässt sich an drei Orten erzählen. Standort eins: Wilhelm-Mauser-Straße, Bickendorf, von 1990 bis 1994. Hier fanden die Raves statt, die später in den Geschichtsbüchern der Technokultur landeten.
1994 kam eine Razzia, und der Laden an der WMS schloss. Das WAREHOUSE zog auf die andere Rheinseite, an den Mülheimer Hafen, auf das alte Werftgelände am Auenweg 173. Standort zwei lief bis 2005, dann wurde die Location verkauft. Seitdem ist genau dort das Bootshaus, heute einer der bekanntesten Elektronik-Clubs der Stadt.
Wer ins Bootshaus geht, steht auf WAREHOUSE-Boden.
Standort drei ist eigentlich wieder der erste: Seit 2025 wird an der alten WMS-Halle in Bickendorf wieder gefeiert, dort, wo das Gebäude zwischenzeitlich als Festsaal für andere Anlässe diente.
Warum es zählt
Das WAREHOUSE wird oft in einem Atemzug mit dem Tresor in Berlin und dem Dorian Gray in Frankfurt genannt, als eine der prägenden Adressen, die in den frühen Neunzigern aus einer Subkultur eine Bewegung machten. Das ist Eigen- und Fremderzählung zugleich, aber die Spur ist real: Resident-DJs der Jahre 1990 bis 1994 wie Roland Casper, Massimo, Oliver Bondzio, Mate Galic, Groovemaster K. und Paul Cooper sind aus der Anfangszeit dokumentiert.
Was bleibt, ist weniger ein Sound als eine Haltung: lange Nächte, ein Publikum, das wiederkommt, ein Ort, der über mehrere Generationen ein Treffpunkt war. Genau diese Perspektive will der Club sichern. Anfang 2026 sammelte das WAREHOUSE unter dem Stichwort 36 Jahre Techno Geschichten von Besucherinnen und Besuchern für eine Buchveröffentlichung, ausdrücklich nicht nur die eigene Chronik, sondern die der Leute, die den Laden ausgemacht haben.
Status 2026: Mythos im Betrieb
Aktueller Stand: Der Originalclub ist Geschichte, die Marke lebt. Es gibt eine Booking-Agentur, einen Shop, Merch und vor allem die Revival-Reihe am Ursprungsort. Nach einer ersten Wiederbelebung 2025 lief am 12. Februar 2026, an Weiberfastnacht, die Ausgabe unter dem Motto Die Reise geht weiter an der Wilhelm-Mauser-Straße, zwei Floors, Afterhour im nahen Trafic in Bickendorf. Im Line-up Namen wie DJ Rush, Miss Djax, Rob Acid und Steve Mason. Getränke im Eintritt inbegriffen, kein Bon-System.
Romantik pur ist das nicht. Rund um das Event 2026 wurde ein Streit zwischen der DJ Miss Djax und Veranstalter Yener Kisla öffentlich: Sie beendete ihr Set nach wenigen Minuten, er führte technische Probleme an und warf ihr Unprofessionalität vor, sie konterte, solche Dinge gehörten nicht auf Social Media, sondern unter vier Augen geklärt. Zwei Versionen einer Nacht. Passt zur Sache: eine Institution, die mit Reibung groß geworden ist, produziert auch im Comeback noch welche.
NachtprotokollQuellen u.a.: warehouse-club.de · fazemag.de (Comeback 2026, „Wo kommt der Kölner Techno her") · groove.de (Miss Djax/Veranstalter) · Wikipedia (Bootshaus Köln) · Resident Advisor.
Geht zusammen aus, kommt zusammen heim, THE KEY ist das Werkzeug dafür. Kostenlos, anonym, on-device.
Zur App: THE KEYNACHTPROTOKOLL ist redaktioneller Inhalt aus dem SCHLUESSELKINDER-Kosmos. Kein Medizinprodukt, keine Substanz- oder Dosierungsberatung. Im Ernstfall ruf den lokalen Notruf, in Deutschland die 112.